Manuela Roppert

freiberufliche Journalistin in München

 
       
 
 
     
 

ARD, reportMünchen, 12.12.2005

Geschäfte mit gequälten Hunden - Ist Bulgarien reif für die EU?

Zehntausende von herrenlosen Hunden gibt es allein in Bulgariens Hauptstadt Sofia. Die Vierbeiner hier leben gefährlich - Hundefänger machen regelmäßig Jagd auf sie. Im so genannten Isolator von Losenetz, einem Stadtteil von Sofia, landen die streunenden Hunde. Dr. Rumi Becker, eine Tierschützerin aus Nürnberg, will ihn besichtigen. Der Zutritt wird ihr jedoch verwehrt. Was hat man hier zu verbergen? Das zeigen Aufnahmen mit versteckter Kamera. Studentische Hilfskräfte, die im Zwinger arbeiten, haben sie gedreht. Selbst die nicht sehr strengen bulgarischen Gesetze werden hier verletzt: viele Hunde werden nicht wie vorgeschrieben 14 Tage verwahrt, um möglicherweise ein neues Heim für sie zu finden, sondern gleich nach Ankunft eingeschläfert. Mit der Dosierung nimmt man es dabei nicht so genau. Das geht aus dem aufgezeichneten Dialog der beiden Hundeschlächter hervor. Lieber sparsam ist die Devise. Für die Tiere bedeutet das einen qualvollen Todeskampf.

Der Student Jawor Karparow sagt: "Ich denke, wenn der Arzt es schafft, die Nadel direkt ins Herz zu stechen, dann müssen sie nicht sehr leiden. Ich habe aber selbst miterlebt, wie ein Arzt es drei Mal versucht hat, mit der Nadel ins Herz zu treffen. Die Hunde haben sich lange gequält, konnten aber nicht sterben, obwohl sie sehr schwach waren."

Hinter der systematischen Tötung der Straßenhunde sieht Dr. Rumi Becker handfeste wirtschaftliche Interessen. Sie sagt: "Tote Hunde werden zu Tiermehl verarbeitet, zu Fetten für die Kosmetik und den Export in die Türkei, zu Gelatine für Fertigsuppen und aus den Fellen werden Mänteln, Mützen und Taschen gefertigt."

Mit einer Freundin macht sich Dr. Rumi Becker auf den Weg, um einen Hundemantel zu kaufen. Das Fell der Hunde ist hart. Dr. Becker prüft sie und ist davon überzeugt, dass in diesem Laden ausschließlich Hundepelz verkauft wird. Aber er wird, wie in Deutschland übrigens auch, unter Codenamen angeboten. Die Bezeichnungen Gaewolf, asiatischer oder koreanischer Wolf weisen auf Hundefell hin. Die beiden haben sich einen schwarz-weißen "koreanischen Wolf" ausgesucht. Die Verkäuferin bestätigt, dass er in Bulgarien hergestellt wurde. Das ist echte bulgarische Haut, sagt sie stolz. 380 Lewa, umgerechnet rund 190 Euro, müssen die beiden dafür bezahlen. Im Vergleich zu anderen Pelzen ist der Hundemantel also für den Käufer ein Schnäppchen. Für die Hersteller ist die Gewinnspanne sehr hoch, denn den Rohstoff Hund gibt es in Bulgarien kostenlos. Ein Kürschner in Deutschland bestätigt später: für diesen Mantel mussten 14 Hunde sterben.

 
     
 
 

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letzte Änderung 01.03.2019