Manuela Roppert

freiberufliche Journalistin in München

 
       
 
 
     
 

BR, Reportage am Sonntag, 23.01.05, zusammen mit Bernhard Schäfer

WH bei 3sat, Phoenix

Mit 12 im Vollrausch - Einstiegsdroge Alkohol

Kampftrinken - so heißt eine unter Jugendlichen immer beliebtere Freizeitbeschäftigung, bei der alkoholische Getränke in der Gruppe bis zu Bewusstlosigkeit konsumiert werden. Viele Jugendliche gestalten ihr Wochenende nach der Devise: Heute lassen wir uns voll laufen. Etwa 15 Prozent der 13jährigen und fast die Hälfte aller 15jährigen trinken mindestens einmal in der Woche Alkohol. Vor allem der Konsum von so genannten Alkopops ist rapide angestiegen. Die Einführung einer Sondersteuer auf diese Getränke hat bislang nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Ein heute 18jähriger blickt zurück auf seine Trinkerkarriere: " Den ersten Vollrausch hatte ich mit 12 Jahren. Das war beim Umbau unseres Hauses. Da hab ich immer aus den Bierflaschen meines Vaters getrunken. Das hat niemand so recht bemerkt. Und am Abend war ich dann voll."

Auch in den Notfall-Ambulanzen des Krankenhäuser werden schon 12jährige mit Alkoholvergiftung eingeliefert. In den städtischen Krankenhäusern von München ist man auf die jungen Alkoholleichen gut vorbereitet. Im so genannten Aquarium können sie ihren Rausch ausschlafen. 2 Promille und mehr Alkohol im Blut sind hier keine Seltenheit. Für jugendliche Abhängige gibt es in Bayern nur eine Therapieeinrichtung, die speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Vom riskanten Trinken bis zur Alkoholabhängigkeit ist es ein langer Weg. Trotzdem werden immer mehr Jugendliche süchtig nach Hochprozentigem. Studien gehen davon aus, dass bereits 10 Prozent der Heranwachsenden massive Alkoholprobleme haben. Sophie war 14 als sie zu trinken begann. Alkohol war für sie eine Flucht vor den Problemen im Elternhaus: " Zuerst habe ich es bei meinen Freunden probiert. Vorher hatte ich noch nie gesoffen. Aber es schmeckte eigentlich gut und dann das Gefühl, wenn man besoffen ist, das war halt geil. Dann wurde es immer mehr: Wodka, Schnaps und lauter solche Sachen. Wir haben auch geklaut und alles Mögliche getan, nur damit wir Alkohol kriegen. Ich war auch schon wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus."

Alkopops und andere schnapshaltige Alkoholika dürfen eigentlich erst an Jugendliche ab 18 Jahren verkauft werden. Aber wird dieses Gesetz auch eingehalten? Die 14jährige Sina und der 17jährige Bastian gehen auf Einkaufstour. Das Ergebnis ist niederschmetternd. Für Minderjährige ist es kein Problem an harten Alkohol zu kommen, trotz aller Beteuerungen von Handel und Getränkeindustrie. Sina sagt: " Ich bin rein gegangen, habe die Flasche Tequila genommen und bezahlt. Und die Verkäuferin hat mich nicht einmal angeschaut." Bastian erinnert sich: "Wenn wir uns zum Beispiel vor einer Party mit Alkopops eindecken wollten, dann sind wir einfach ins Geschäft gegangen. Man weiß ja dann schon in welche Geschäfte man gehen muss und kennt teilweise auch die Verkäuferinnen. Also das ist in der Regel kein Problem."

Die Getränkeindustrie macht es den Minderjährigen leicht, ihre poppig aufgemacht Internetauftritte zu besuchen. Es wird lediglich gefragt, ob man schon 18 Jahre alt sei. Ein Klick auf Ja und man ist drin in der Glitzerwelt, in der coole Männer und Frauen Alkopops trinken und ihren Spaß haben. Das Fazit von Bastian und Sina: "Sie wollen ihr Produkt verkaufen, suggerieren mit Alkohol macht die Party noch mehr Spaß und führen einen so an den Alkohol heran. Und man macht das dann auch mit."

 
 
 
 
 

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letzte Änderung 01.03.2019