Manuela Roppert

freiberufliche Journalistin in München

 
       
 
 
   
 

Karriere in der Freiheit - Ex-Knackis als Unternehmer

Mitten im Rotlichtviertel von München, in der Schillerstraße: das Bodelschwingh-Haus des Evangelischen Hilfswerks - ein Übergangswohnheim für ehemalige Strafgefangene.

Schillerstr


Hier lebt Michael Maixner seit gut einem Monat. Zuvor hat der Diplom-Kaufmann 11 Monate im Gefängnis verbracht. Das Zimmer ist nur wenig größer als seine frühere Zelle.

Ex-Strafgefangene als Unternehmer

Im Gefängnis hat der Ex-Knacki einen Businessplan erarbeitet und einen Existenzgründerkurs besucht. Jetzt will er als Unternehmer durchstarten. Er plant, ein Schulungsunternehmen für Reinigungskräfte aufzubauen. Seine Idee wurde von Experten als erfolgsversprechend eingeschätzt.

Keine Rückfallgefahr dank Leonhard

Früher war der frischgebackene Großvater als Vertriebsleiter in der Modebranche tätig. Immer einen Berg von Arbeit und ständig unterwegs. So verlor er die Kontrolle über sein Leben. Wegen wiederholtem Fahren ohne Führerschein und dem Missbrauch von Ausweispapieren wurde er schließlich verurteilt.
"Ich werde ganz sicher nicht mehr rückfällig werden, aus der einfachen Tatsache, dass dieses letzte Jahr ein prägendes einschneidendes Ereignis in meinem Leben war.“
Und im Ernstfall weiß er jetzt, wo er Hilfe finden kann. Hier in Gräfelfing bei Leonhard, einer gemeinnützigen GmbH, die aus ehemaligen Strafgefangenen Unternehmer machen will. Benannt nach dem heiligen Leonhard, dem Schutzpatron für Gefangene.

JOpen

Idee aus Texas: Strafgefangene haben Potential

Die Betreuung nach der Haft übernimmt Martin Wurzel, auch er ein ehemaliger Strafgefangener. Der 40jährige macht gerade eine Coaching-Ausbildung und unterstützt seine Schützlinge, wo er nur kann.

Die Idee, Strafgefangene zu Unternehmern auszubilden, stammt aus Texas. Leonhard-Gründer Bernward Jopen hatte sich das Projekt in Cleveland angesehen und war begeistert. Früher selbst Unternehmer, hat er das Potential erkannt, dass ausgerechnet in Strafgefangenen schlummert.
"Ja, da wundert man sich vielleicht ein bisschen, aber wenn man scharf nachdenkt, fällt einem auf, dass Strafgefangene verschiedene Eigenschaftenhaben, die auch gute Unternehmer haben. Das ist Mut, das ist Einfallsreichtum, das ist Kreativität, das ist eine Problemlösungskreativität insbesondere eben auch, das ist Initiative."

Kurs

Ex-Häftlinge geben jetzt Businesskurse im Knast

Strafgefangene sind nicht per se schlechte Menschen, so die Leonhard-Philosophie. Sie haben nur einige falsche Entscheidungen getroffen. Martin Wurzel hat hier in Stadelheim 6 Monate seiner insgesamt 22 monatigen Haftzeit verbracht und am Leonhard-Kurs teilgenommen. Der ehemalige Türsteher und DJ war wegen Körperverletzung und Drogenbesitzverurteilt worden.
"Am Anfang war es ein komisches Gefühl und mittlerweile gehe ich hier rein wie in mein Büro, also das tut mir gar nichts. Wenn man weiß, dass man am Abend rausgehen darf, dann ist der Schrecken gar nicht so groß."

Untern

Das wichtigste ist, an sich zu glauben

Im Seminarraum der JVA München büffeln derzeit 18 Kursteilnehmer insgesamt 20 Wochen lang  unternehmerischen Basiswissens. Auch Persönlichkeitsentwicklung steht auf dem Stundenplan. In der Anfangsphase des Kurses, werden zunächst die Geschäftsideen entwickelt. Martin Wurzel appelliert an die Teilnehmer an ihre Ideen zu glauben, selbst wenn es einmal schwierig wird. Auch bei ihm sah es zunächst nicht so aus, dass er seinen Traum, Drogenberater zu werden, verwirklichen kann. 

Nur geringe Rückfallquote bei Leonhard-Absolventen


Das Konzept von Leonhard scheint aufzugehen: die Rückfallquote unter den Absolventen beträgt knapp 10 Prozent. Auch wenn man berücksichtigt, dass die Teilnehmer von Leonhard gezielt ausgewählt wurden, ist das eine beeindruckende Zahl. Bundesweit werden 46 Prozent der Gefangenen wieder rückfällig.

dreh2

Zwei Wochen länger freiwillig im Knast!

Um den Leonhard-Kurs abzuschließen, ist Michael Maixner sogar zwei Wochen länger im Knast geblieben. Jetzt kämpft er für seine Zukunft, weil er ausgerechnet im Gefängnis Menschen getroffen hat, die an ihn glauben.

meixner

 
 
 

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letzte Änderung 01.03.2019