Manuela Roppert

freiberufliche Journalistin in München

 
       
 
 
     
 

BR, Reportage am Sonntag, 07.01.01, zusammen mit Elisabeth Moest

WH bei 3sat, HR3, MDR, WDR

Importiertes Elternglück - Aus Artjom wird Jonathan

Seit drei Jahren sind Simone und Jochen Berger als Adoptiveltern in Deutschland anerkannt. Seitdem warten sie vergeblich auf ein Adoptivkind. Ihre letzte Hoffnung: ein Kind aus dem Ausland. Deswegen wenden sie sich an eine Vermittlungsagentur.

Der Polizist und die kaufmännische Angestellte sind seit 13 Jahren verheiratet. Von Anfang an wollten sie Kinder haben. Später haben sie fast alles medizinisch Mögliche versucht, damit Simone schwanger wird. Beide sind sich einig: ein Leben ohne Kind können sie sich nicht vorstellen. Nun sind sie ihrem Ziel ganz nah: 50 Kilometer westlich von Kiew, am Rand der Tschernobyl-Zone, liegt das Kinderheim von Worzel. Hier leben 130 Kinder im Alter bis zu vier Jahren. Alle suchen neue Eltern. Simone und Jochen lassen sich mit der Entscheidung einige Tage Zeit. Dann sind sich beide ganz sicher: "Es hat bei uns Klick gemacht. Wir wussten, das ist der Junge, der künftig unser Sohn sein soll."

Nur einige der Kinder hier sind richtige Waisen. Die meisten der Eltern leben noch, können oder wollen sich aber nicht um ihre Kinder kümmern. Sie sind dazu zu arm, Alkohol krank oder drogensüchtig. Fast täglich kommen ausländische Paare, um sich die Kinder anzuschauen. Die Auserwählten sind glücklich, die anderen regelmäßig enttäuscht. Obwohl sie nicht älter als vier Jahre sind, scheinen die Kinder zu begreifen: die Ausländer sind die einzige Chance, ein neues Zuhause zu finden.

Seit Jahren haben Jochen und Simone auf diesen Moment gewartet - endlich können sie Artjom, ihr Kind in die Arme schließen. Artjom leidet an einer Nervenerkrankung. Die Bewegungsfähigkeit seines linken Armes ist eingeschränkt. Doch in Deutschland, versichern die Ärzte, kann das geheilt werden.

Bevor es nach Deutschland geht, muss noch eine Menge Bürokratie erledigt werden. Geschenke helfen dabei, den Prozess zu beschleunigen. Jochen Berger: " Wir haben nicht geschmiert, sondern kleine Annehmlichkeiten ermöglicht. Wie heute bei der Adoptionsbeamtin. Da haben wir vorher Kulis gekauft, Mappen und einen Tacker, damit sie besser arbeiten kann."

Simone und Jochen Berger haben sich entschieden, dass ihr Kind einen deutschen Namen bekommen soll: aus Arthom wird Jonathan.

Für den Jungen ist alles neu, die vergangenen zwei Jahre war das Kinderheim seine Welt. Nun lernt er seine neuen Eltern zunächst in deren Hotelzimmer in Kiew kennen. Simone Berger sagt: "Es wird von Mal zu Mal intensiver. Man möchte gar nicht glauben, dass er nicht unser leibliches Kind ist. Er kennt uns schon und sagt Mama und Papa. Das war etwas, worüber wir uns vorher Gedanken gemacht haben, wie das sein wird. Aber es kam wie von selbst."

 
     
 
 

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letzte Änderung 01.03.2019