Manuela Roppert

freiberufliche Journalistin in München

 
       
 
 
     
 

BR, Ratgeber Geld, 06.04.03

Billig-Autovermieter

Autos zu mieten, ist in Deutschland derzeit ein teures Vergnügen. In den letzten zwei Jahren haben die überregionalen Vermieter kräftig an der Preisschraube gedreht. Doch jetzt gibt es auch in dieser Branche sogenannte Billiganbieter. Nach dem Vorbild der Billigflieger wollen sie Bewegung in den deutschen Autoverleihmarkt bringen und die bisher so teuren Mietautos auch für preisbewusste Reisende interessant machen.

Ihre Strategie heißt: weniger Service und Flexibilität, dafür günstige Preise. Einen Ford Fiesta oder einen Smart kann man zum Beispiel bei navicar bereits ab 9 Euro pro Tag mieten.

Die 25 Stationen von Navicar, dem ersten Billig-Autovermieter am deutschen Markt, liegen alle außerhalb der Stadtzentren, das spart teure Stellplätze im Innenstadtbereich. Der Nachteil für den Kunden: Er verliert Zeit und unter Umständen Geld für eine Taxifahrt, um die Anmietstation zu erreichen. Die Preise sind umso günstiger, je länger man im Voraus bucht. Das Flottenangebot ist beschränkt. Es besteht nur aus 4 Fahrzeugtypen. Navicar hat vor allem Privatkunden im Visier. Touristen und Leute, die sich kein eigenes Auto mehr leisten können oder wollen. Aber auch einige Geschäftskunden wie Klaus Schröder ließen sich von den günstigen Preisen überzeugen: "Der einzige Nachteil ist, dass man die ganz günstigen Preise nur bekommt, wenn man lange im voraus bucht. Das ist in meiner Branche nicht immer möglich. Aber auch sonst sind die Preise günstiger als bei der Konkurrenz."

Doch Vorsicht: Unter Umständen muss der Kunde mit zusätzlichen Kosten rechen. Die Preise sind ohne Teil- und Vollkaskoversicherung kalkuliert und nur 100 Kilometer pro Tag sind inklusive. Wer das Auto nicht sauber zurückbringt, muss für die Reinigung bezahlen. Ein Ford Fiesta kann so statt 9 Euro leicht 50 Euro pro Tag kosten, ist damit aber immer noch günstiger als bei der Konkurrenz. Dafür sind die etablierten Verleihfirmen in der Regel flexibler und kulanter. Bei navicar erfolgt zum Beispiel die Rücknahme der Wagen nur innerhalb der Geschäftszeiten, in der Regel bis 18 Uhr. Teilweise sind die Filialen am Wochenende geschlossen. Wer im Stau steht und zu spät kommt, muss für einen weiteren Tag und unter Umständen zusätzlich noch Schadensersatz bezahlen. Guido Zimmermann von navicar erklärt: " Um so billig zu sein, müssen wir mit einer hohen Auslastung kalkulieren. Es gibt nichts Schlimmeres in unserer Branche als dass ein Kunde sein gemietetes Fahrzeug nicht bekommt. Um das zu vermeiden, möchten wir unsere Kunden erziehen, ihr Auto rechtzeitig abzugeben."

Wenn der Leihwagen wegen eines Unfalls in die Werkstatt muss, kann der Mieter für den daraus entstandenen Mietverlust haftbar gemacht werden. Teuer wird es auch für den, der vom Vertrag zurücktreten will. Bei Rücktritt eine Woche vor dem vereinbarten Termin sind zum Beispiel 90 Prozent der Miete fällig.

Mit EasyCar, dem Schwesterunternehmen des Billigfliegers EasyJet will in diesem Jahr noch ein weiterer Billig-Autovermieter auf dem deutschen Markt Fuß fassen. Easycar ist bereits in Großbritannien und vier weiteren europäischen Ländern vertreten und bietet ähnliche Konditionen wie navicar.

Billig-Autovermieter lohnen sich vor allem für Frühbucher, die schon genau im Voraus wissen, wie lange sie den Mietwagen benötigen und die nicht so viele Kilometer fahren.

 
 
 
 
 

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letzte Änderung 01.03.2019