Manuela Roppert

freiberufliche Journalistin in München

 
       
 
 
 
 

Unterdrückt, aber mutig - Albaniens Frauen kämpfen um ihre Zukunft

Im Norden Albanien ist die Zeit stehen geblieben: hier gilt immer noch der Kanun, ein im Mittelalter formulierter Verhaltenskodex. Die Frau ist demnach Eigentum des Mannes - wer sie schlägt oder gar umbringt, tut nichts Unrechtes. Immer mehr Albaner verlassen aus wirtschaftlichen Gründen ihre Dörfer und ziehen in das Umland der Großstädte Tirana und Durrёs. Ihre Lebensgewohnheiten aber bringen sie mit.

 

 

Der Kanun - das ungeschriebene Gesetz aus den Bergen erlebt auch in den Städten eine Renaissance

Jeden Tag rufen Frauen bei der Telefon-Hotline der Organisation "Heute für die Zukunft" an und berichten von Schlägen und grausamen Demütigungen, die sie in ihren Familien erleiden müssen. 24 albanische Frauen sind im letzten Jahr zu Hause getötet worden - von ihren Männern, ihren Vätern oder ihren Söhnen. Der Kanun gibt ihnen das Recht dazu, wenn die Frau ungehorsam oder untreu ist.

vojs

Vor einigen Monaten kam Vojsava etwas später als ihre Kolleginnen von der Arbeit nach Hause. Wegen eines Feiertages hatte sie noch kurz in der Kirche gebetet. Der eifersüchtige Ehemann unterstellte ihre Untreue. Gemeinsam mit dem älteren Sohn schnitt er Vojsava die Haare ab und bedrohte sie mit einem Messer. Der kleine Elidon lief zur Polizei und rettete seiner Mutter damit das Leben.

Gezielte Abtreibung: mehr Jungen als Mädchen werden geboren

 

Auf der Neugeborenen-Station der Frauenklinik in Tirana kommen wie im ganzen Land mehr Jungen als Mädchen zur Welt. Den Statistikern der Vereinten Nationen zufolge sind es 112 Jungen auf 100 Mädchen - Zustände wie in Indien oder China - und ein Hinweis darauf, dass Mädchen in Albanien gezielt abgetrieben werden. Immer wieder üben Ehemänner oder die Schwiegermütter Druck aus, weibliche Föten abzutreiben.

 

 

 

migena

 

Psychologin Migena Ismailati kennt viele solche Fälle. Ihre Klientin will auf keinen Fall erkannt werden. Deren Mann weiß nicht, dass sie hier ist: "Er hat mich dazu gezwungen, ein zweites Mal ein Mädchen abzutreiben, obwohl ich schon in der 18. Woche schwanger war. Er hat gesagt, ich kann doch nicht nur Töchter großziehen, ich brauche auch einen Sohn. Und als ich mich weigern wollte, hat er mich geschlagen. Ich habe ihn sogar bei der Polizei angezeigt. Aber als sie kam, war er weg. Dann haben er und meine Schwiegermutter mich dazu genötigt, die Anzeige zurückzuziehen."

 

 

 

 

Nicht nur Muslime bestehen auf männliche Nachkommen

Der Wunsch unbedingt männliche Nachkommen zu haben, ist nicht nur unter der muslimischen Mehrheit im Land verbreitet, sondern auch unter den Orthodoxen und Katholiken.

norad Nordalbanien

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Zentrum "Heute für die Zukunft" in Dures

 
 

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letzte Änderung 01.03.2019